Spruchband vom 11.03.2018

Modern, bürgernah, transparent – Das in etwa dürfte das Bild sein, das die Polizei Stuttgart mit einer zunehmenden Präsenz in sozialen Netzwerken und der annähernden Live-Berichterstattung zu ihren Einsätzen auf Twitter zu zeichnen versucht.

So gar nicht diesem Anspruch gerecht wird die Szenerie, die sich Beteiligten und Betrachtern vor Ort bietet. Da wird gegen Eintracht Frankfurt ohne Anlass die gesamte Fanszene des Gastvereins vor Spielbeginn am Untertürkheimer Bahnhof festgesetzt und bis kurz vor Spielende mit rechtlich höchst fragwürdigen Personenkontrollen belästigt, um anschließend den Fund von absurd wenigen und erstaunlich ungefährlichen Gegenständen der Öffentlichkeit quasi in Echtzeit online als Erfolg verkaufen zu können.
Offenbar in der Sorge, damit noch keinen ausreichenden Arbeitsnachweis erbracht zu haben, wird anschließend einem beträchtlichen Teil der Cannstatter Kurve eine Bewährungsstrafe für das Festhalten von Fahnen während einer Pyroaktion zu Spielbeginn angedroht, natürlich nicht ohne – in Ermangelung von irgendwelchen zu Schaden gekommenen Menschen, Tieren oder Gegenständen – notdürftig von der „Gefährdung einer noch zu ermittelnden Zahl Umstehender nach polizeilicher Einschätzung“ zu fabulieren.
Der Wasserwerfer, in Stuttgart seit den Vorkommnissen um die S21-Proteste am schwarzen Donnerstag im September 2010 nicht zu Unrecht in Verruf geraten und der Öffentlichkeit in der Landeshauptstadt lange Zeit nur schwer vermittelbar, wird seit Monaten zunehmend zum Alltagsgegenstand am Rande eines Fußballspiels.
Anstatt die Verhältnismäßigkeit solcher überzogener und vom Steuerzahler finanzierter Einsätze zu hinterfragen, beteiligt man sich teilweise munter an medienwirksamen Diskussionen um eine Abwälzung der Polizeikosten auf die Vereine.
Währenddessen behindern Polizeiketten auf der Mercedesstraße zeitweise den gesamten Abreiseverkehr nach einem Bundesligaspiel, und eine lange nicht gesehene Anzahl an berittenen Beamten mit durchgehenden Gäulen scheint für die Wiedereinführung der Kavallerie zu streiten.

Alles in allem kann hier nur der Schluss gezogen werden, dass die eigene Imagepflege und die propagandistischen Verlautbarungen im Sinne der polizeilichen Führung keinen Raum mehr lassen für eine offenbar dringend gebotene, eingehende Beschäftigung mit Grundsätzen wie der Bewegungsfreiheit oder dem Einmaleins des Datenschutzes.